Feminismus – als soziale Bewegung, kritische Theorie und Geschlechterpolitik

Vortrag anlässlich ‚25 Jahre Fachgruppe Frauen- und Geschlechterforschung der Gesellschaft für Musikforschung‘ im Herbst 2019 abgedruckt in: Jahrbuch für Musikwissenschaft, Bd. 13, hrsg. von Cornelia Bartsch u. Sarah Schauberger, Hildesheim-Zürich-NewYork 2022, S. 117-127. <strong>Wo stehen wir heute nach 50 Jahren Frauen- und Geschlechterforschung?</strong> Wenn ich mit dieser Frage den Aufbruch zu einer ›neuen‹ Frauenbewegung am Beginn der 1970er Jahre zum Ausgangspunkt meiner Überlegungen über Feminismus heute nehme, wäre es unangemessen, von dem Feminismus zu sprechen. Zu offensichtlich sind die Vielfalt und die Ausdifferenzierung in unter- schiedliche Feminismen, das Auseinandertreten von feministischer Theorie, Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik sowie die Vielfalt feministischer Projekte und Initiativen, die – wie die MeToo-Bewegung – in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit gefunden haben. Die einmal vorausgesetzte »Dreieinigkeit« von Frauenbewegung, Frauen- und Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik gehört offensichtlich der Vergangenheit an.

Vortrag anlässlich, 25 Jahre Fachgruppe Frauen- und Geschlechterforschung der Gesellschaft für Musikforschung‘ im Herbst 2019

abgedruckt in: Jahrbuch für Musikwissenschaft, Bd. 13, hrsg. von Cornelia Bartsch u. Sarah Schauberger, Hildesheim-Zürich-NewYork 2022, S. 117-127.

Wo stehen wir heute nach 50 Jahren Frauen- und Geschlechterforschung?

Wenn ich mit dieser Frage den Aufbruch zu einer ›neuen‹ Frauenbewegung am Beginn der 1970er Jahre zum Ausgangspunkt meiner Überlegungen über Feminismus heute nehme, wäre es unangemessen, von dem Feminismus zu sprechen. Zu offensichtlich sind die Vielfalt und die Ausdifferenzierung in unterschiedliche Feminismen, das Auseinandertreten von feministischer Theorie, Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik sowie die Vielfalt feministischer Projekte und Initiativen, die – wie die MeToo-Bewegung – in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit gefunden haben.
Die einmal vorausgesetzte »Dreieinigkeit« von Frauenbewegung, Frauen- und Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik gehört offensichtlich der Vergangenheit an. An ihre Stelle sind unterschiedliche, sich gegeneinander abgrenzende Feminismen getreten, begleitet von institutionellen Erfolgen und rechtlichen Reformen mit deutlichen Freiheitsgewinnen, aber auch mit trennen- den und ambivalenten Folgen. Für eine Einschätzung ist es daher wichtig, die verschiedenen Ebenen feministischer wissenschaftlicher und politischer Praxis zu unterscheiden, um der umstandslosen Verallgemeinerung, nicht zuletzt um ihrer Denunziation und dem üblich gewordenen Gender Bashing zu entgehen. Wir reden daher richtiger über verschiedene Strömungen oder feministische Praxen. Angelika Wetterer spricht von den drei »Spielarten« des Geschlechter- wissens und unterscheidet zwischen: erstens feministischen Theoretikerinnen, zweitens Expertinnen aus der Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik sowie drittens den Frauen/Menschen auf der Straße heute. Ihre Wege haben sich zunehmend getrennt. Zu beobachten ist inzwischen ein ›alltagspraktischer Feminismus‹ …

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